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Wir haben mit Karl Heinz Hoffmann, dem Gründer und Chef der Wehrsportgruppe Hoffmann gesprochen, der kurz nach dem Oktoberfest-Attentat zusammen mit weiteren Mitgliedern seiner Wehrsportgruppe verhaftet worden ist. (siehe dazu Oktoberfest-Attentat Teil 1) Hoffmann gilt, obwohl ihm nie etwas nachgewiesen werden konnte, in der Öffentlichkeit bis heute als potentieller Hintermann des Bombenanschlags. Zum Thema Oktoberfest findet ihr hier im Blog noch die Beiträge Oktoberfest-Attentat Teil 2 und Teil 3, Oktoberfest-Attentat. Eine kleine Anfrage, Gladio-die geheimarmeen der Nato. (Merke gerade, während ich hier wie wild verlinke, dass alles, was ihr im blog unter der Katergorie “Terror” findet, mit dem Thema zu tun hat – logischerweise, denn es geht letztlich, egal ob im Falle von rechtem oder linkem Terrorismus, immer um die Rolle der Gehemdienste in dem ganzen Spiel.) Karl Heinz Hoffmann hat den Abschlussbericht des Generalbundesanwalts zum Oktoberfestattentat kommentiert. Seinen Kommentar findet ihr hier. Und hier ist das Interview:

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General Gianadelio Maletti, Jahrgang 1921, war von 1971 bis 1974 Vizechef des italienischen militärischen Geheimdienstes SID (heute SISMI) 2001 sagt er vor einem italienischen Gericht im Prozess zum Bombenanschlag auf der Piazza Fonatana aus. Vor Gericht bestätigt er, dass hinter den Bombenanschlägen Rechtsterroristen und hinter diesen wiederum die Amerikaner standen. Maletti macht sehr interessante Aussagen, auch zur Rolle der CIA in Deutschland. Habe hier mal ein Interview übersetzt (holpert manchmal ein bisschen, sorry) das er der italienischen Tageszeitung La Repubblica am 4. August 2004 gegeben hat. Hier geht’s zum Originalinterview.

Maletti, der flüchtige Spion – Die CIA hinter den Bombenanschlägen

Repubblica – 4. August 2000 Seite 6 Sektion: Innenpolitik

JOHANNESBURG – “Ich bin es müde für die anderen zu zahlen. Ins Exil gezwungen, zu 31 Jahren Haft verurteilt, von denen 9 noch zu verbüßen sind. Es scheint mir ein wenig zu viel … Ich weiß, ich habe eine Wahrheitspflicht gegenüber Italien.” Der Blick des alten Spions verliert sich jenseits des Parks im Wohngebiet von Rosebank, Südafrika. Lügen, Geheimnisse, Fehden und interne Konflikte. Und dann die Toten, die Anschläge in den Strassen, gegen Banken, gegen Züge. Gianadelio Maletti, geboren 1921, Generalmajor, seit 1980 südafrikanischer Staatsbürger, verteidigt von Rechtsanwalt Michele Gentiloni, ist bereit zu sagen, was er weiß. Seine Wahrheit. Weil er die Neofaschisten Giannettini und Pozzan unterstützte und die Ermittlung über den Bombenanschlag von Bertoli beim Polizeipräsidium in Mailand sabotiert hatte, wurde er wegen Irreführung verurteilt. Er will seine Wahrheit als “insider” erzählen. Im Jahr 1971 wurde er zum Leiter der Abteilung D ernannt: die Spitzenkraft unserer militärischen Gegenspionage. Generalmajor, sicherlich wussten sie bescheid über den Minderheitsbericht der Commissione Stragi (Ermittlungsausschuss zu den blutigen Terroranschlägen). Es wird behauptet, dass die Strategie der Spannung  aus der nordatlantischen Bündinspolitik stammte.  “Ich habe etwas gehört und etwas darüber gelesen. Und ich kann mir vorstellen, dass mit nordatlantischer Bündnispolitik, die USA gemeint sind. ” Ja. Was denken Sie darüber? “Es war eine Notwendigkeit der NATO, Informationen zu sammeln und so viele Informationen wie möglich zu bearbeiten. Aber wer diese Informationen nutzte und manipulierte war der amerikanischen Geheimdienst, die CIA”. Hatten sie einen unmittelbaren Nachweis für diese Aussage? “Ich persönlich hatte Beziehungen mit der CIA. Mit Stone, genannt Rocky, Chef der Station in Rom und mit Mike Sedinuoui, einem Agenten algerischen Ursprungs. Wir waren in Kontakt zum Zwecke der Gegenspionage”. Hatten sie vermutet, dass die Bombenstrategie eine internationale Regie hatte? “Ich hatte den Verdacht. Keine eindeutigen Beweise”. Und war dies nicht genug, um beunruhigt zu sein, um mit einer Recherche zu beginnen? “Wir, als SID, wir waren nicht in der Lage etwas zu tun. Zumindest nicht gegen die Amerikaner. Dann brachte die Zeit uns die ersten Bestätigungen. Die CIA hatte in Italien die wichtigste Sicherheitsabteilung in ganz West Europa. Die Informationen wurden dann mit der anderen mächtigen Zentrale, der in Deutschland, abgeglichen”. Deutschland? “Ja, Deutschland war schon seit Ende des Zweiten Weltkriegs Rekrutierungsland. Die CIA wollte, durch das Nachwachsen des extremen Nationalismus und mit der Unterstützung der Rechtsextremen, insbesondere Ordine Nuovo, den bestehenden Linksruck bekämpfen. Dies ist die Grundannahme der Strategie der Spannung”. Wie wollte die CIA das bewerkstelligen? “Indem sie die Rechten gewähren ließ” Und unsere Sicherheitsdienste waren informiert oder sogar beteiligt? “Es war nicht voll und ganz bewusst, aber in den Sicherheitsdiensten gab es eine Neigung zugunsten dieses Projekts.” Wie benutzte die CIA Ordine Nuovo? “Durch ihre eingeschleusten Agenten, und durch Angehörige die zur Zusammenarbeit bereit waren. In mehreren italienischen Städten und einigen NATO-Basen: Aviano, Neapel … hatte die CIA eine verbindende Rolle zwischen den verschiedenen Gruppen der extremen Rechten, Italienischen und Deutschen, und diktierte die Verhaltensregeln. Die CIA kümmerte sich auch um die Bereitstellung des Materials”. Sprengstoffe, Waffen? “Viel Sprengstoff kam direkt aus Deutschland, über den Gotthard ins Friaul und nach Veneto.” Und was tat der SID? Schaute passiv zu oder machte mit? “Ich sprach oft darüber mit Mitarbeitern, aber nicht alle waren sich über diese Situation bewusst. Oder sie waren mit dem Projekt einverstanden.” Und Ihre politischen Referenten? “Ich hatte mit ihnen oft Kontakt aufgenommen, auch indem ich meinen Vorgesetzten, General Miceli, überging. Tanassi, Andreotti, Gui. Aber auch sie zeigten sich uninteressiert. Nur Andreotti …”. Andreotti was? “Andreotti nicht, er war sehr interessiert. Vor allem interessierte ihn der rechtsextreme Terrorismus und die Putschversuche in Italien, obwohl alle meine Unternehmungen als lästige Einmischungen gesehen wurden”. Sie müssen aber auch, als Chef der Abteilung D, die Regierung offiziell informiert haben. “Oft. Aber meine Informationsschreiben blieben ungehört. Der SID wurde mit Misstrauen betrachtet.” Vielleicht, weil auch der SID wußte, aber nichts unternahm. “Ich sprach persönlich mit  Andreotti  über die Möglichkeit von Putschversuchen. Miceli wollte nicht, dass der Bericht über den Borghese-Putsch in den Händen des Verteidigungsministers endete, und er überzeugte mich den Bericht  nicht bei Andreotti abzugeben. Er fürchtete sich vor dem Bericht, weil sich daraus ergab, dass er in Kontakt mit einigen Beteiligten des Putsches gekommen war. In dem Bericht wurden hohe Offiziere in Führungspositionen genannt und es war mir klar, daß eine Übermittlung des Berichtes an die Justiz ein Erdbeben verursacht hätte.” Und sie verbargen den Bericht. “Ich ging damit zu Andreotti und erklärte ihm mein Anliegen.” In diesem Bericht gab es einen ersten Beweis für die US-Beteiligung an den Putschversuchen. “Es gab einen Beweis für die Beteiligung von hochrangigen Offizieren unserer Streitkräfte.” Der blutige Anschlag von Piazza Fontana war vor Kurzem passiert. Haben Sie geglaubt, dass es die Linken waren? “Alles deutete darauf hin. Aber ich wußte sehr wohl, dass er seinen Ursprung bei den Rechten hatte.” Aber Sie setzten Ihre Unterwanderungs- und Nachrichtendienstliche Tätigkeit in den linken Kreisen fort. “Die Linken musste sowieso weiterhin kontrolliert werden. Und über die Rechten wussten wir alles.” Gab es auch eingeschleuste Agenten in den Kreisen von Ordine Nuovo? “Sicher. Es war notwendig Informationen zu erhalten, die die CIA zwar hatte, aber worüber wir ahnungslos waren.” Aber es gab auch Unterwanderungsaktionen in der SID seitens Ordine Nuovo. Wer also unterwanderte wen? “Ich hatte das Gefühl mich in einer richtig verfaulten Umwelt zu bewegen. Aber ich bemerkte es zu spät.” Ihre Zentralen informierten sie nie über Dinge bezüglich Ordine Nuovo? “Sehr oft. Das Problem war, zu verstehen, ob die Nachrichten wahr oder falsch waren. Im Jahre 1972 erkannte ich, dass die Lage sehr ernst war. Die Zentrale in Padua teilte uns mit, dass aus Deutschland, über den Gotthard, Sprengstoff für Ordine Nuovo  geliefert wurde. Wir benachrichtigten die höheren Kreisen.” Und was ist passiert? “Nichts. Aber wir entdeckten und berichteten auch, dass der Sprengstoff, der in Piazza Fontana verwendet wurde ebenfalls zu dieser Lieferung gehörte.” So ist es logisch zu argumentieren, dass der Drahtzieher für Piazza Fontana die CIA war? “Es gibt keinen direkten Beweis, aber es ist wahr.” Und sie vom SID, Generalmajor Maletti, ihnen war diese Strategie bewusst und sie haben es akzeptiert unseren Geheimdienst dem Willen der CIA zu unterwerfen, trotz der Bomben, den unschuldigen Toten? “Wir haben unsere Quellen aktiviert und wir taten alles, was wir konnten. Die politische Macht, die informiert sein musste, hat uns nie eine Richtlinie gegeben”. Wäre es nicht besser gewesen, zu kündigen? “Mir wurde eine Sympathie gegenüber Israel vorgeworfen. Aber die Gefangennahme von fünf Palästinensern in Ostia, die ein El-Al Flugzeug in die Luft sprengen wollten, verhinderte den Tod von hunderten Menschen.” Sie retteten einige Leben, und Sie opferten zugleich andere. Waren Sie selbst Gefangener Ihrer eigenen Macht innerhalb des SID? “Ich fühle ein enormes Gewicht, als Italiener, wegen dem was passiert ist. Ich fühle mich fast gedemütigt, durch das, was wir getan haben, um viele Todesfälle zu verhindern. Es sind Italiener die dieses Projekt durchgeführt haben, welches für den Tod vieler Italiener verantwortlich ist. Und sie haben es gemacht, indem sie an einem Projekt teilgenommen haben, welches von einem fremden Geheimdienst durchgeführt wurde. Zum eigenen Vorteil. Für die Macht.” Waren die machthabenden Politiker informiert? “Natürlich waren sie informiert. Obwohl es nie Beweise geben wird, um sie damit in Verbindung zu bringen. Wenn die verschiedenen Leiter der Geheimdiestabteilungen, von Casardi zu Miceli, die Politiker informierten, wie es in ihrem Interesse war, geschah dies durch informelle Treffen.” Ein günstiges Schweigen? “Seitens der Politiker? Nein, es wäre kriminell. Die wirkliche politische Verantwortung in der Strategie der Spannung ist, dass niemand Entscheidungen getroffen hat, kein Politiker hat je in politischer Hinsicht gesprochen und gehandelt. Ich habe Forlani zu wenig gekannt, und er hatte mich gefeuert als ich lästig geworden war. Andreotti, ist ein intelligenter und schlauer Mann. Zwei Eigenschaften, die nur selten bei ein und demselben Individuum zusammentreffen. Er erinnert mich an den “Grande Vecchio”, der von einer gewissen Presse kreiert worden ist. Und nun, was denken Sie? “Es ist eine Rolle, die zu ihm passt.” Generalmajor, wie konnten Sie weiterhin Kontakte mit der CIA haben, wenn sie wussten was sie planten? “Man kann nicht sagen, dass die CIA eine aktive und direkte Rolle bei den Anschlägen hatte. Aber sie wussten über die Handelnden und deren Ziele Bescheid.” War die Strategie der CIA, die kommunistischen Bedrohung zu bekämpfen, so zynisch, dass sie Hunderte von unschuldigen Opfern in Kauf nehmen konnten? “Die CIA hat versucht zu tun, was sie in Griechenland ’67 getan hatte, als der Putsch Papandreou kaltstellen sollte. In Italien ist die Sache aus dem Ruder gelaufen. Der Effekt, den einige Anschläge produzieren sollten, ging zu weit. Für Piazza Fontana, soweit ich weiß, ist es so gelaufen. Ich nehme an, dass es für Piazza della Loggia, für Italicus und Bologna auch so gelaufen ist. Über die Politiker habe ich dazu noch ein Gefühl, das für mich fast eine Gewissheit ist. Zu dieser Zeit, wurden viele von ihnen, darunter auch der President der Republik, Leone,  gezwungen, das Spiel zu akzeptieren. Denn jeder hatte die Garantie, dass das Spiel  bestimmte Grenze nicht überschreiten würde.” Und haben Sie jetzt ein reines Gewissen? Auch bezüglich Argo 16, der SID Maschine, welche in Marghera abstürzte? “Bei dem Flugzeugabsturz sind Menschen gestorben, die ich gut kannte.” Wurde es sabotiert? “Nachdem die fünf in Ostia verhafteteten Palästinenser im Gefängnis von Viterbo festgesetzt wurden, kam der Mossad-Chef in Rom, Asa Leven, um mich zu sehen. Er sagte, er habe gehört, dass die italienische Regierung plane, die Gefangenen nach Libyen auszuliefern. Er schlug mir eine gemeinsame Aktion vor, um sie zu entführen.” Im Gefängnis? “Ja, sie hatten bereits einen Plan entwickelt. Wir sollten sie unter falschem Vorwand, mit Hilfe einer gefälschten gerichtliche Urkunde, aus dem Gefängnis zu einem angeblichen Gerichtstermin überstellen. Sie, der Mossad, hätten dann die weiteren Massnahmen übernommen. Sie hätten den kleinen Bus angegriffen,  die 5 Gefangenen mit einem Narkosenmittel eingeschläfert, ihnen die Augen verbundenen und sie in ein startbereites Flugzeug gesetzt und nach Tel Aviv gebracht”. Und Sie? “Daraus wurde nichts. Nach einem Schnellverfahren wurden die 5 nach Libyen überstellt, doch das Flugzeug machte einen Zwischenstopp in Malta. Hier zeigten sie sich in einem Restaurant und wurden von den Mossad-Agenten bemerkt. Ein unglücklicher Zwischestop. Vielleicht war damit bestätigt, wenn nötwendig, dass die 5 tatsächsächlich in das Flugzeug gestiegen waren. Auf dem Weg zurück stürzte Argo 16 ab. Weitere unschuldige Opfer … “Eine Reihe von Todesfällen. In einem Klima der Konfrontation zwischen Geheimdiensten, die sich nichts gefallen lassen und sich nicht mehr gegenseitig trauten.” Aber die Bomben explodierten weiter. Und sie vom SID, nichts. “Es gab keine Strategie. Die rechtsextremen Gruppen wurden fallengelassen. Jetzt gab es nur noch den Terror.” – Von unserem Korrespondenten Daniele Mastrogiacomo

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Gerhard Boeden ist letzten Mittwoch, am 26. Mai, gestorben. Boeden war ab Juni 1975 Leiter der neue geschaffenen und mit weitreichenden Kompetenzen ausgestatteten Abteilung Terrorismus (Abteilung „T“) des Bundeskriminalamts. Ab 1983 Vizepräsident des Bundeskriminalamts. Boeden war anschließend vom 01.04.1987 bis zum 28.02.1991 Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Im Sommer 1972 überbrachte Boeden 16 Millionen DM Lösegeld nach Beirut als Lösegeld für die 188 Passagiere einer von den Palästinensern entführten Lufthansa-Maschine.  „Seit Beginn seines Ruhestandes hat Boeden, anders als viele seiner Vorgänger und Kollegen, jede öffentliche Äußerung zu den Nachrichtendiensten und ihrer Tätigkeit strikt vermieden.“(Wikipedia)

Michael Buback kritisiert in seiner Publikation „Der zweite Tod meines Vaters“ (November 2008) eine Äußerung Boedens in der Tagesschau vom 08.04.1977 (einen Tag nach der Ermordung seines Vaters und dessen beiden Begleitern). In der Tagesschau vom 07.04.0977 wird ein jugoslawischer Augenzeuge mit der Aussage eingeblendet, auf dem Beifahrersitz habe möglicherweise eine Frau gesessen und geschossen. Hingegen wird in der Tagesschau vom 08.04.1977 bekannt gegeben, dass das BKA bereits die Täter ermittelt habe: Knut Folkerts, Christina Klar und Günther Sonnenberg. Einen eigentümlichen Eindruck hinterlässt Gerhard Boeden während eines Interviews in der Tagesschau vom 08.04.1977. Während er auf die ersten beiden Fragen des Journalisten professionell-allgemeinverbindlich antwortet (um laufende Ermittlungen nicht zu gefährden), wird er bei der dritten Frage des Reporters nach der Zeugenaussage vom Vortag, derzufolge eine Frau auf dem Soziussitz gesessen haben könnte, konkret und neutralisiert die jugoslawische Zeugenaussage vom 07.04.1977: „Nun, wenn sie sich die Fahndungsphotos, die wir heute veröffentlicht haben, ansehen, dann kann man nicht ausschließen, dass einer dieser drei Beteiligten so aussieht, wie auch eine Frau aussehen kann.“

Hier die Tagesschau vom 07.04.1977 :

Und hier die Tagesschau vom 08.04.1977 mit dem Auftritt von Gerhard Boeden:

Michael Buback schreibt dazu in seinem Buch „Der zweite Tod meines Vaters“ auf den Seiten 213-215: „…Boeden schob den Hinweis auf eine Frau als Täterin geradezu weg.[…] Trotzdem sagte Boeden, auf die Frage nach einer weiblichen Täterin, dass einer dieser drei Beteiligten so ausgesehen haben könnte wie eine Frau. Diese recht forsche Analyse beunruhigte mich, zumal weder bei Klar noch bei Folkerts gesagt wurde, worauf sich der Verdacht […], dass sie am Karlsruher Verbrechen unmittelbar beteiligt waren, eigentlich stütze. […] Boeden wurde übrigens 1983 Vizepräsident des BKA und 1987 Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz. Meine Sorge ist, dass durch das Vorpreschen von Gerhard Boeden bereits am Tag nach dem Attentat der Eindruck entstanden ist und möglicherweise sogar bewusst erzeugt wurde, dass Folkerts, Klar und Sonnenberg die drei unmittelbar Tatbeteiligten waren. […] In Wikipedia lese ich, dass er [Gerhard Boeden], anders als viele seiner Vorgänger und Kollegen, jede Äußerung zu den Nachrichtendiensten und ihrer Tätigkeit vermieden habe. Dann brauche ich wohl gar nicht erst zu versuchen, ihn um eine Stellungnahme zu bitten“.

Gerhard Boeden war BKA-Einsatzleiter bei der größten RAF-Fahndungspanne am 06.08.1978 in Michelstadt im Odenwald. Die drei RAF-Terroristen Chrstian Klar, Willy Peter Stoll und Adelheid Schulz hatten bereits Wochen vor dem missglückten Zugriff von einem kleinen Flughafen bei Michelstadt aus Hubschrauberflüge über hessisches und baden-württembergisches Staatsterritorium unternommen, um angeblich „neue Terrorziele auszuspähen und eine Haftanstalt zu observieren“. Offiziell gaben sie sich als ein „Filmteam“ aus, das Luftaufnahmen von Burgen und Schlössern“ machen möchte. Einem Mitarbeiter des Flughafens waren die drei RAF-Menschen verdächtig vorgekommen, er informierte das BKA, eine große Anzahl von BKA-Beamten in Zivil stand dementsprechende für den Zugriff am 06.08.1978 bereit. Die RAF-Terroristen, die mit einem Mercedes 230 an diesem Tag zum Flughafen kamen, wurden bereits in der Flughafengaststätte „Waldhorn“ von BKA-Beamten observiert. Während des 110-minütigen Hubschrauberflugs der „Top-Terroristen“ wurde seitens der BKA-Beamten „versäumt“, einen Peilsender in den Mercedes 230 von Christian Klar & Co. einzubauen. Eigentümlicherweise entkamen die drei Gesuchten nach ihrer Rückkehr mit ihrem Mercedes sieben Wagen mit BKA-Fahndern und fünf Ortspolizisten in Zivil. Der Spiegel 35/1978 dazu: „Unverständlich, warum die sieben Besatzungen den Funkkontakt untereinander nicht nutzten, [um] den Kurswechsel [des RAF-Mercedes] nachzuvollziehen. Unverständlich auch, dass die Beamten in Ober-Beerbach den Wagen nicht kurzerhand stoppten und um die Personalien baten“. Gerhard Boeden, damals Leiter der BKA-Terrorismus-Abteilung, wurde zwar als unmittelbare Folge dieses Fahndungsskandals von dieser Aufgabe vorübergehend entbunden. Gleichwohl vollzog sich sein späterer Aufstieg zum BKA-Vize und zum Präsidenten des Bundesverfassungsschutzes bruchlos.

Zu diesen fragwürdigen Vorgängen gibt es noch viele offene Fragen, z.B.: a) Weshalb suchen drei wegen des Schleyer-Mordes gesuchte RAF-Mitglieder (Klar, Schulz, Stoll) mehrfach einen öffentlichen Flughafen auf, um dann mit einem gemieteten Hubschrauber Erkundungsflüge auszuführen, die angeblich dem Ausspähen neuer Terrorziele gedient haben sollen? b) Wie erklärt sich das Entkommen der Top-Terroristen im Kontext eines BKA-Einsatzes, der unter der „Schirmherrschaft“ von Gerhard Boeden stand? c) Warum hat die RAF-“Fahndungspanne“ vom 06.08.1978 Gerhard Boeden offenbar bei seinem Aufstieg in höchste Staatsämter nicht geschadet ?

Was Michael Buback sofort wieder verworfen hat, hat die Schüler-AG „Verdeckte Kriegsführung / Peak Oil“ der Altkönigschule Kronberg versucht: Sie haben bei Gerhard Boeden um ein Interview angefragt. Hier  seine Antwort (die sie mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben):

„Bei meiner Versetzung in den gesetzlichen Ruhestand im Jahre 1991 habe ich öffentlich erklärt, mich nicht mehr zu meinen dienstlichen Aufgaben zu äußern. Daran habe ich mich gehalten und habe nicht vor, diese Haltung zu ändern. Dafür bitte ich sehr um Ihr Verständnis.“

Und hier noch ein paar Pressestimmen zum Tod von Gerhard Boeden:

BILD Zeitung vom 26.05:   “RAF-Jäger Boeden ist tot!”

Und die “CDU Meckenheim trauert um ihren langjährigen Vorsitzenden”

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Corinna Ponto, Tochter des am 30. Juli 1977 von der RAF ermordeten Vorstandsvorsitzenden der Dresdner Bank Jürgen Ponto , ist nach Michael Buback die zweite Opferangehörige, die die Dinge beim Namen nennt: Die RAF muss endlich auf eine eventuelle Durchdringung und Steuerung durch Geheimdienste hin untersucht werden. Die Gründe dafür hat sie in einem ganzseitigen Artikel in der FAS vom 23. Mai  (siehe Bericht hier) eindrucksvoll dargelegt. Sie ist nicht die einzige Stimme, die das fodert. Die Berliner Journalistin Regine Igel tut das seit langem und bezieht sich dabei auf ihre Recherchen zum Terrorismus in Italien. Über ihren Wikipedia Eintrag kommt ihr zum Artikel “Linksterrorismus fremdgesteuert” und zu einem Interview, das sie zum Fall Verena Becker gegeben hat. Sehr interessant. Und auch die Täter von damals  sind inzwischen der Überzeugung  dass sie “an Fäden hingen, deren Enden sie gar nicht sahen” (Corinna Ponto).  Siehe dazu unser Interview mit Bommi Baumann.

Warum gibt es keine Resonanz auf Frau Pontos Artikel? Was ist los mit unseren Medien? Oder bin ich zu ungeduldig?

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Der  italienische Journalist, mit dem ich heute gesprochen habe, hat in einem Nebensatz die DSSA erwähnt. Habe eben mal gegoogelt und Erstaunliches zu Tage gefördert: Die DSSA (Dipartimento Studi Strategici Antiterrorismo) ist eine “Parallel-Polizei”, deren Existenz 2005 von der Staatsanwaltschaft Genua aufgedeckt und untersucht worden ist. Unter Führung der Rechsextremisten Gaetano Saya und Roberto Sindoca hat diese geheime Truppe, nach Angaben von Saya bestehend aus 150 ehemaligen Carabinieri, Zollbeamten, Polizisten und Militärs, Strategien entwickelt, um den islamistischen Terrorismus zu bekämpfen. Interessant ist, dass sowohl Saya als auch Sindoca Mitglieder der NATO Geheimarmee Gladio waren. Sofort wurde vermutet, dass es sich um eine Gladioartige Gruppierung handeln könnte, aber die Regierung Berlusconi wiegelte schnell ab: Es handle sich um Spinner und Wichtigtuer. Auf der inzwischen gelöschten Webseite der DSSA war zu lesen, dass der im Irak von Islamisten ermordete Fabrizio Quattrocchi in ihrem Auftrag im Irak war. Das Video von Quattrocchi ging damals um die Welt. Vor seinem Tod hatte er den Geiselnehmern zugerufen: “Ich zeige euch, wie ein Italiener stirbt!”

Hier geht’s zum Video

“Geheime Parallel-Polizei aufgedeckt”, titelte die Süddeutsche Zeitung am 4.Juli 2005

Hier ein Artikel aus dem online magazin trend

Hier von rp-online

Wer italienisch kann, findet hier zwei ausführliche Artikel: “Polizia Parallela” aus dem Corriere Della Sera und “Sono 150 gli iscritti alla Dssa” aus der Repubblica.

Hier geht es zur Webseite von Gaetano Saya: http://www.gaetanosaya.org/

Genua, Palazzo Di Giustizia

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Bei der Produktionsfirma, die unsere Doku “Terror im Namen des Staates” produziert, hat sich ein italienischer Journalist gemeldet. Habe ihn heute zurückgerufen. Er sagt, er habe das Material gesehen, das wir bislang im Netz veröffentlicht haben und habe brisante Informationen zum Thema Terrorismus in der BRD, die uns evtl. weiterbringen könnten. Der Mann hat wohl ausgiebig zum Attentat auf den Bahnhof von Bologna und zur Geheimdienstunterwanderung der Brigate Rosse recherchiert. Hmmm… Werde ihn voraussichtlich diese Woche noch in Genua treffen. Bin gespannt.

Madonna della Neve

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Hier ein paar Bilder von einer herrlichen Wanderung zur Kapelle Madonna della Neve, direkt oberhalb von Lenzari.

Etwa hundert Meter von der Kapelle entfernt, befindet sich eine Einsiedelei. Hier der Blick in Richtung Meer:

Ansonsten trifft man hier oben auf ganz viel Natur…

… und, mit ein bisschen Glück, auf den ein oder anderen Heiligen: