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Posts Tagged ‘Geheimdienst’

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General Gianadelio Maletti, Jahrgang 1921, war von 1971 bis 1974 Vizechef des italienischen militärischen Geheimdienstes SID (heute SISMI) 2001 sagt er vor einem italienischen Gericht im Prozess zum Bombenanschlag auf der Piazza Fonatana aus. Vor Gericht bestätigt er, dass hinter den Bombenanschlägen Rechtsterroristen und hinter diesen wiederum die Amerikaner standen. Maletti macht sehr interessante Aussagen, auch zur Rolle der CIA in Deutschland. Habe hier mal ein Interview übersetzt (holpert manchmal ein bisschen, sorry) das er der italienischen Tageszeitung La Repubblica am 4. August 2004 gegeben hat. Hier geht’s zum Originalinterview.

Maletti, der flüchtige Spion – Die CIA hinter den Bombenanschlägen

Repubblica – 4. August 2000 Seite 6 Sektion: Innenpolitik

JOHANNESBURG – “Ich bin es müde für die anderen zu zahlen. Ins Exil gezwungen, zu 31 Jahren Haft verurteilt, von denen 9 noch zu verbüßen sind. Es scheint mir ein wenig zu viel … Ich weiß, ich habe eine Wahrheitspflicht gegenüber Italien.” Der Blick des alten Spions verliert sich jenseits des Parks im Wohngebiet von Rosebank, Südafrika. Lügen, Geheimnisse, Fehden und interne Konflikte. Und dann die Toten, die Anschläge in den Strassen, gegen Banken, gegen Züge. Gianadelio Maletti, geboren 1921, Generalmajor, seit 1980 südafrikanischer Staatsbürger, verteidigt von Rechtsanwalt Michele Gentiloni, ist bereit zu sagen, was er weiß. Seine Wahrheit. Weil er die Neofaschisten Giannettini und Pozzan unterstützte und die Ermittlung über den Bombenanschlag von Bertoli beim Polizeipräsidium in Mailand sabotiert hatte, wurde er wegen Irreführung verurteilt. Er will seine Wahrheit als “insider” erzählen. Im Jahr 1971 wurde er zum Leiter der Abteilung D ernannt: die Spitzenkraft unserer militärischen Gegenspionage. Generalmajor, sicherlich wussten sie bescheid über den Minderheitsbericht der Commissione Stragi (Ermittlungsausschuss zu den blutigen Terroranschlägen). Es wird behauptet, dass die Strategie der Spannung  aus der nordatlantischen Bündinspolitik stammte.  “Ich habe etwas gehört und etwas darüber gelesen. Und ich kann mir vorstellen, dass mit nordatlantischer Bündnispolitik, die USA gemeint sind. ” Ja. Was denken Sie darüber? “Es war eine Notwendigkeit der NATO, Informationen zu sammeln und so viele Informationen wie möglich zu bearbeiten. Aber wer diese Informationen nutzte und manipulierte war der amerikanischen Geheimdienst, die CIA”. Hatten sie einen unmittelbaren Nachweis für diese Aussage? “Ich persönlich hatte Beziehungen mit der CIA. Mit Stone, genannt Rocky, Chef der Station in Rom und mit Mike Sedinuoui, einem Agenten algerischen Ursprungs. Wir waren in Kontakt zum Zwecke der Gegenspionage”. Hatten sie vermutet, dass die Bombenstrategie eine internationale Regie hatte? “Ich hatte den Verdacht. Keine eindeutigen Beweise”. Und war dies nicht genug, um beunruhigt zu sein, um mit einer Recherche zu beginnen? “Wir, als SID, wir waren nicht in der Lage etwas zu tun. Zumindest nicht gegen die Amerikaner. Dann brachte die Zeit uns die ersten Bestätigungen. Die CIA hatte in Italien die wichtigste Sicherheitsabteilung in ganz West Europa. Die Informationen wurden dann mit der anderen mächtigen Zentrale, der in Deutschland, abgeglichen”. Deutschland? “Ja, Deutschland war schon seit Ende des Zweiten Weltkriegs Rekrutierungsland. Die CIA wollte, durch das Nachwachsen des extremen Nationalismus und mit der Unterstützung der Rechtsextremen, insbesondere Ordine Nuovo, den bestehenden Linksruck bekämpfen. Dies ist die Grundannahme der Strategie der Spannung”. Wie wollte die CIA das bewerkstelligen? “Indem sie die Rechten gewähren ließ” Und unsere Sicherheitsdienste waren informiert oder sogar beteiligt? “Es war nicht voll und ganz bewusst, aber in den Sicherheitsdiensten gab es eine Neigung zugunsten dieses Projekts.” Wie benutzte die CIA Ordine Nuovo? “Durch ihre eingeschleusten Agenten, und durch Angehörige die zur Zusammenarbeit bereit waren. In mehreren italienischen Städten und einigen NATO-Basen: Aviano, Neapel … hatte die CIA eine verbindende Rolle zwischen den verschiedenen Gruppen der extremen Rechten, Italienischen und Deutschen, und diktierte die Verhaltensregeln. Die CIA kümmerte sich auch um die Bereitstellung des Materials”. Sprengstoffe, Waffen? “Viel Sprengstoff kam direkt aus Deutschland, über den Gotthard ins Friaul und nach Veneto.” Und was tat der SID? Schaute passiv zu oder machte mit? “Ich sprach oft darüber mit Mitarbeitern, aber nicht alle waren sich über diese Situation bewusst. Oder sie waren mit dem Projekt einverstanden.” Und Ihre politischen Referenten? “Ich hatte mit ihnen oft Kontakt aufgenommen, auch indem ich meinen Vorgesetzten, General Miceli, überging. Tanassi, Andreotti, Gui. Aber auch sie zeigten sich uninteressiert. Nur Andreotti …”. Andreotti was? “Andreotti nicht, er war sehr interessiert. Vor allem interessierte ihn der rechtsextreme Terrorismus und die Putschversuche in Italien, obwohl alle meine Unternehmungen als lästige Einmischungen gesehen wurden”. Sie müssen aber auch, als Chef der Abteilung D, die Regierung offiziell informiert haben. “Oft. Aber meine Informationsschreiben blieben ungehört. Der SID wurde mit Misstrauen betrachtet.” Vielleicht, weil auch der SID wußte, aber nichts unternahm. “Ich sprach persönlich mit  Andreotti  über die Möglichkeit von Putschversuchen. Miceli wollte nicht, dass der Bericht über den Borghese-Putsch in den Händen des Verteidigungsministers endete, und er überzeugte mich den Bericht  nicht bei Andreotti abzugeben. Er fürchtete sich vor dem Bericht, weil sich daraus ergab, dass er in Kontakt mit einigen Beteiligten des Putsches gekommen war. In dem Bericht wurden hohe Offiziere in Führungspositionen genannt und es war mir klar, daß eine Übermittlung des Berichtes an die Justiz ein Erdbeben verursacht hätte.” Und sie verbargen den Bericht. “Ich ging damit zu Andreotti und erklärte ihm mein Anliegen.” In diesem Bericht gab es einen ersten Beweis für die US-Beteiligung an den Putschversuchen. “Es gab einen Beweis für die Beteiligung von hochrangigen Offizieren unserer Streitkräfte.” Der blutige Anschlag von Piazza Fontana war vor Kurzem passiert. Haben Sie geglaubt, dass es die Linken waren? “Alles deutete darauf hin. Aber ich wußte sehr wohl, dass er seinen Ursprung bei den Rechten hatte.” Aber Sie setzten Ihre Unterwanderungs- und Nachrichtendienstliche Tätigkeit in den linken Kreisen fort. “Die Linken musste sowieso weiterhin kontrolliert werden. Und über die Rechten wussten wir alles.” Gab es auch eingeschleuste Agenten in den Kreisen von Ordine Nuovo? “Sicher. Es war notwendig Informationen zu erhalten, die die CIA zwar hatte, aber worüber wir ahnungslos waren.” Aber es gab auch Unterwanderungsaktionen in der SID seitens Ordine Nuovo. Wer also unterwanderte wen? “Ich hatte das Gefühl mich in einer richtig verfaulten Umwelt zu bewegen. Aber ich bemerkte es zu spät.” Ihre Zentralen informierten sie nie über Dinge bezüglich Ordine Nuovo? “Sehr oft. Das Problem war, zu verstehen, ob die Nachrichten wahr oder falsch waren. Im Jahre 1972 erkannte ich, dass die Lage sehr ernst war. Die Zentrale in Padua teilte uns mit, dass aus Deutschland, über den Gotthard, Sprengstoff für Ordine Nuovo  geliefert wurde. Wir benachrichtigten die höheren Kreisen.” Und was ist passiert? “Nichts. Aber wir entdeckten und berichteten auch, dass der Sprengstoff, der in Piazza Fontana verwendet wurde ebenfalls zu dieser Lieferung gehörte.” So ist es logisch zu argumentieren, dass der Drahtzieher für Piazza Fontana die CIA war? “Es gibt keinen direkten Beweis, aber es ist wahr.” Und sie vom SID, Generalmajor Maletti, ihnen war diese Strategie bewusst und sie haben es akzeptiert unseren Geheimdienst dem Willen der CIA zu unterwerfen, trotz der Bomben, den unschuldigen Toten? “Wir haben unsere Quellen aktiviert und wir taten alles, was wir konnten. Die politische Macht, die informiert sein musste, hat uns nie eine Richtlinie gegeben”. Wäre es nicht besser gewesen, zu kündigen? “Mir wurde eine Sympathie gegenüber Israel vorgeworfen. Aber die Gefangennahme von fünf Palästinensern in Ostia, die ein El-Al Flugzeug in die Luft sprengen wollten, verhinderte den Tod von hunderten Menschen.” Sie retteten einige Leben, und Sie opferten zugleich andere. Waren Sie selbst Gefangener Ihrer eigenen Macht innerhalb des SID? “Ich fühle ein enormes Gewicht, als Italiener, wegen dem was passiert ist. Ich fühle mich fast gedemütigt, durch das, was wir getan haben, um viele Todesfälle zu verhindern. Es sind Italiener die dieses Projekt durchgeführt haben, welches für den Tod vieler Italiener verantwortlich ist. Und sie haben es gemacht, indem sie an einem Projekt teilgenommen haben, welches von einem fremden Geheimdienst durchgeführt wurde. Zum eigenen Vorteil. Für die Macht.” Waren die machthabenden Politiker informiert? “Natürlich waren sie informiert. Obwohl es nie Beweise geben wird, um sie damit in Verbindung zu bringen. Wenn die verschiedenen Leiter der Geheimdiestabteilungen, von Casardi zu Miceli, die Politiker informierten, wie es in ihrem Interesse war, geschah dies durch informelle Treffen.” Ein günstiges Schweigen? “Seitens der Politiker? Nein, es wäre kriminell. Die wirkliche politische Verantwortung in der Strategie der Spannung ist, dass niemand Entscheidungen getroffen hat, kein Politiker hat je in politischer Hinsicht gesprochen und gehandelt. Ich habe Forlani zu wenig gekannt, und er hatte mich gefeuert als ich lästig geworden war. Andreotti, ist ein intelligenter und schlauer Mann. Zwei Eigenschaften, die nur selten bei ein und demselben Individuum zusammentreffen. Er erinnert mich an den “Grande Vecchio”, der von einer gewissen Presse kreiert worden ist. Und nun, was denken Sie? “Es ist eine Rolle, die zu ihm passt.” Generalmajor, wie konnten Sie weiterhin Kontakte mit der CIA haben, wenn sie wussten was sie planten? “Man kann nicht sagen, dass die CIA eine aktive und direkte Rolle bei den Anschlägen hatte. Aber sie wussten über die Handelnden und deren Ziele Bescheid.” War die Strategie der CIA, die kommunistischen Bedrohung zu bekämpfen, so zynisch, dass sie Hunderte von unschuldigen Opfern in Kauf nehmen konnten? “Die CIA hat versucht zu tun, was sie in Griechenland ’67 getan hatte, als der Putsch Papandreou kaltstellen sollte. In Italien ist die Sache aus dem Ruder gelaufen. Der Effekt, den einige Anschläge produzieren sollten, ging zu weit. Für Piazza Fontana, soweit ich weiß, ist es so gelaufen. Ich nehme an, dass es für Piazza della Loggia, für Italicus und Bologna auch so gelaufen ist. Über die Politiker habe ich dazu noch ein Gefühl, das für mich fast eine Gewissheit ist. Zu dieser Zeit, wurden viele von ihnen, darunter auch der President der Republik, Leone,  gezwungen, das Spiel zu akzeptieren. Denn jeder hatte die Garantie, dass das Spiel  bestimmte Grenze nicht überschreiten würde.” Und haben Sie jetzt ein reines Gewissen? Auch bezüglich Argo 16, der SID Maschine, welche in Marghera abstürzte? “Bei dem Flugzeugabsturz sind Menschen gestorben, die ich gut kannte.” Wurde es sabotiert? “Nachdem die fünf in Ostia verhafteteten Palästinenser im Gefängnis von Viterbo festgesetzt wurden, kam der Mossad-Chef in Rom, Asa Leven, um mich zu sehen. Er sagte, er habe gehört, dass die italienische Regierung plane, die Gefangenen nach Libyen auszuliefern. Er schlug mir eine gemeinsame Aktion vor, um sie zu entführen.” Im Gefängnis? “Ja, sie hatten bereits einen Plan entwickelt. Wir sollten sie unter falschem Vorwand, mit Hilfe einer gefälschten gerichtliche Urkunde, aus dem Gefängnis zu einem angeblichen Gerichtstermin überstellen. Sie, der Mossad, hätten dann die weiteren Massnahmen übernommen. Sie hätten den kleinen Bus angegriffen,  die 5 Gefangenen mit einem Narkosenmittel eingeschläfert, ihnen die Augen verbundenen und sie in ein startbereites Flugzeug gesetzt und nach Tel Aviv gebracht”. Und Sie? “Daraus wurde nichts. Nach einem Schnellverfahren wurden die 5 nach Libyen überstellt, doch das Flugzeug machte einen Zwischenstopp in Malta. Hier zeigten sie sich in einem Restaurant und wurden von den Mossad-Agenten bemerkt. Ein unglücklicher Zwischestop. Vielleicht war damit bestätigt, wenn nötwendig, dass die 5 tatsächsächlich in das Flugzeug gestiegen waren. Auf dem Weg zurück stürzte Argo 16 ab. Weitere unschuldige Opfer … “Eine Reihe von Todesfällen. In einem Klima der Konfrontation zwischen Geheimdiensten, die sich nichts gefallen lassen und sich nicht mehr gegenseitig trauten.” Aber die Bomben explodierten weiter. Und sie vom SID, nichts. “Es gab keine Strategie. Die rechtsextremen Gruppen wurden fallengelassen. Jetzt gab es nur noch den Terror.” – Von unserem Korrespondenten Daniele Mastrogiacomo

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Der  italienische Journalist, mit dem ich heute gesprochen habe, hat in einem Nebensatz die DSSA erwähnt. Habe eben mal gegoogelt und Erstaunliches zu Tage gefördert: Die DSSA (Dipartimento Studi Strategici Antiterrorismo) ist eine “Parallel-Polizei”, deren Existenz 2005 von der Staatsanwaltschaft Genua aufgedeckt und untersucht worden ist. Unter Führung der Rechsextremisten Gaetano Saya und Roberto Sindoca hat diese geheime Truppe, nach Angaben von Saya bestehend aus 150 ehemaligen Carabinieri, Zollbeamten, Polizisten und Militärs, Strategien entwickelt, um den islamistischen Terrorismus zu bekämpfen. Interessant ist, dass sowohl Saya als auch Sindoca Mitglieder der NATO Geheimarmee Gladio waren. Sofort wurde vermutet, dass es sich um eine Gladioartige Gruppierung handeln könnte, aber die Regierung Berlusconi wiegelte schnell ab: Es handle sich um Spinner und Wichtigtuer. Auf der inzwischen gelöschten Webseite der DSSA war zu lesen, dass der im Irak von Islamisten ermordete Fabrizio Quattrocchi in ihrem Auftrag im Irak war. Das Video von Quattrocchi ging damals um die Welt. Vor seinem Tod hatte er den Geiselnehmern zugerufen: “Ich zeige euch, wie ein Italiener stirbt!”

Hier geht’s zum Video

“Geheime Parallel-Polizei aufgedeckt”, titelte die Süddeutsche Zeitung am 4.Juli 2005

Hier ein Artikel aus dem online magazin trend

Hier von rp-online

Wer italienisch kann, findet hier zwei ausführliche Artikel: “Polizia Parallela” aus dem Corriere Della Sera und “Sono 150 gli iscritti alla Dssa” aus der Repubblica.

Hier geht es zur Webseite von Gaetano Saya: http://www.gaetanosaya.org/

Genua, Palazzo Di Giustizia

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Bei der Produktionsfirma, die unsere Doku “Terror im Namen des Staates” produziert, hat sich ein italienischer Journalist gemeldet. Habe ihn heute zurückgerufen. Er sagt, er habe das Material gesehen, das wir bislang im Netz veröffentlicht haben und habe brisante Informationen zum Thema Terrorismus in der BRD, die uns evtl. weiterbringen könnten. Der Mann hat wohl ausgiebig zum Attentat auf den Bahnhof von Bologna und zur Geheimdienstunterwanderung der Brigate Rosse recherchiert. Hmmm… Werde ihn voraussichtlich diese Woche noch in Genua treffen. Bin gespannt.

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In seinem 2008 erschienen Buch “Die Oktoberfest Bombe” veröffentlichte der Journalist Tobias von Heymann die Ergebnisse seiner Recherchen zum Oktoberfest-Attentat. Er hatte in der Birthler Behörder Tausende von Seiten Stasi-Akten gesichtet, die sich nur mit dem Bombenanschlag vom 26. September 1980 befassen. Die Sasi war über jeden einzelnen Ermittlungsschritt bestens informiert. Christian Bartlau gibt in seinem Artikel “Ein dunkler Fleck: Oktoberfest-Attentat bleibt ungeklärt” einen guten Überblick über von Heymanns Erkenntnisse. Eine wesentliche Erkenntnis ist die, dass rechtsextreme Gruppierungen in der BRD viel besser und professioneller organisiert waren, als man das gemeinhin vermutete. Dazu Tobias von Heymann:

“Vor drei Jahren hätte ich das Wort Rechtsterrorismus nicht in den Mund genommen. Heute weiß ich, dass es ein flächendeckendes Netz an rechtsradikalen Terrororganisationen gab, die gut ausgebildet, strategisch bestens organisiert und eng mit geheimen Kommandostrukturen verzahnt waren.” Stand eine solche rechtsterroristische Gruppe hinter dem Oktoberfest-Attentat? Von Heymann sieht dafür ausreichend Indizien: “Die Stasi hat diesen Vorfall nicht als singuläres Ereignis betrachtet, sondern als Teil einer Anschlagserie, die in der Bundesrepublik und weiteren Teilen Westeuropas von rechten Terroristen begangen wurde.” (zitiert nach oben genanntem Artikel von Christian Bartlau)

Die GRÜNEN um den Bundestagsabgeordneten Jerzy Montag nahmen von Heymanns Veröffentlichung zum Anlass für eine kleine Anfrage im Bundestag. Unter anderem stellten sie der Bundesregierung die Frage, ob Erkenntnisse vorliegen, die einen Zusammenhang zwischen diesem Attentat und dem Anschlag auf den Bahnhof von Bologna am 2. August 1980  nahelegen. Die Anfrage wurde von der Bundesregierung am 22. Juni 2009 beantwortet, mit folgendem Ergebnis:

Das Buch “Die Oktoberfest-Bombe – München, 26. September 1980 – Die Tat eines Einzelnen oder ein Terror-Anschlag mit politischem Hintergrund” von Tobias von Heymann enthält keine Anhaltspunkte oder Beweismittel, die Anlass geboten hätten, die Ermittlung von Amts wegen wieder aufzunehmen. (Aus der Pressemitteilung der Bundesregierung)

Die Antwort, die von der Bundesregierung am häufigsten genannt wird, ist diese:

Die Bundesregierung nimmt zu operativen Fragen, die die Arbeit der
Nachrichtendienste des Bundes betreffen, ausschließlich in dem dafür zu-
ständigen parlamentarischen Gremium Stellung. Damit ist keine Aussage
darüber getroffen, ob die den Fragen zu Grunde liegenden Annahmen zutreffen oder nicht.

Solange wichtige und notwendige Fragen auf diese Weise abgeschmettert werden können, ist eine tatsächliche Aufklärung des Attentats nicht zu erwarten.

Inhalt der kleinen Anfrage und die Antwort der Bundesregierung findet ihr im Wikipedia Eintrag zum Otkoberfest-Attentat unter den Punkten 10 und 11 der Einzelnachweise oder auf der Webseite von Jerzy Montag, auf der er noch mehr interessantes Material und Pressereaktionen rund um die kleine Anfrage zusammengetragen hat.

Hier der Ausschnitt aus dem Intervies mit Opferanwalt Werner Dietrich, in dem er über die Stasi-Unterlagen spricht:

Zum vollständigen Interview geht’s hier.

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Gestern waren Michael Buback, sein Anwalt Dr. Ulrich Endres und Stefan Aust (Der Baader-Meinhof-Komplex) zu Gast bei Markus Lanz (ZDF 23:35 – 00:40). Es ging um den bevorstehenden Prozess gegen Verena Becker im Mordfall Siegfried Buback.

Ein paar Zitate:

Ulrich Endres: “Das ist die Begründung, die so ungefähr das Abwegigste ist, was man sich überhaupt vorstellen kann.” (Auf die Begründung der Bundesanwaltschaft, man habe die Spurenakten im Mordfall Buback aus Platzgründen vernichten müssen.)

Stefan Aust: “Ich finde, es ist ein ganz großes Verdienst von Herrn Buback, mal deutlich gemacht zu haben, wie erstaunlich die Ermittler, und vor allem die Bundesanwaltschaft, sozusagen einen Bogen um Verena Becker gemacht hat.”

Ulrich Endres: “Ich hab ja die neue Anklage, und wenn man die neue Anklage liest, dann weiß man, dass Verena Becker wiederum nicht im Fokus der Ermittler steht.”

Markus Lanz: “Und jetzt, die große Frage: Warum?

Michael Buback: “Da vermute ich, das muss eine Rolle spielen, dass Frau Becker eben auch mit dem Geheimdienst zusammengearbeitet hat.”

Hier gehts zur Sendung.

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Auch die Unterhaltungsindustrie nimmt sich des Themas an.  Zum Beispiel Xavier Naidoo auf seinem neuen Album “Alles kann besser werden” (veröffentlicht am 9.10.2009):

oder der Schriftsteller Wolfgang Schorlau, dessen Krimi “Das München Komplott” 2009 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.

Hier ein Auszug aus dem Klappentext: “Ein alter Fall, denkt Dengler: Das Bundeskriminalamt bittet ihn, die Akten zum Attentat auf das Münchner Oktoberfest von 1980 zu prüfen. Doch dann holen ihn die Schatten des schwersten Terroranschlags in der deutschen Geschichte ein. Er findet heraus, dass die Ermittlungen seinerzeit manipuliert wurden – und dass die Mächte, die damals die Fäden zogen, immer noch äußerst gefährlich sind, auch für ihn.”

Im folgenden SWR 1 -Interview erzählt Schorlau über Gladio und seine Arbeit am Roman:

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Als der italienische Premierminister Giulio Andreotti im Oktober 1990 die Existenz der NATO Geheimarmee Gladio in Italien bestätigte, wies er gleichzeitig darauf hin, dass es diese Geheimarmeen unter jeweils anderen Decknamen in nahezu jedem westeuropäischen Land gegeben habe. Einen Monat später diskutiert das Europäische Parlament den “Gladio”-Skandal. Im Amtsblatt C 324/201 heißt es: “In der Erwägung, daß diese Organisation sich seit mehr als vierzig Jahren jeglicher demokratischer Kontrolle entziehen konnte, und daß sie von den Geheimdiensten der betreffenden Staaten in Zusammenarbeit mit der Nato geleitet wurde“, verurteilt das Europäische Parlament “die Einrichtung von geheimen Organisationen zwecks Einflußnahme und Durchführung von Aktionen” und fordert eine volle Aufklärung. Aber nur Belgien, die Schweiz und Italien richteten parlamentarische Untersuchungskommissionen ein und veröffentlichten ihre Berichte. In Deutschland ist das Stay-behind-Netzwerk bis heute nicht parlamentarisch untersucht worden.

Einer, der damals vehement eine  Untersuchung des deutschen Stay-behind-Netzwerks forderte, “weil die Existenz einer bewaffneten militärischen Geheimorganisation außerhalb jeglicher Kontrolle durch Regierung oder Parlament mit der Verfassung nicht vereinbar ist und deshalb nach dem Strafrecht verfolgt werden muss”, war der Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer (SPD). Wir haben mit Hermann Scheer über die Situation damals gesprochen:

Hier, zur Ergänzung, was Daniele Ganser zum deutschen Stay-behind und seiner historischen Aufarbeitung zu sagen hat. Das vollständige Interview, das wir mit ihm geführt haben, findet ihr hier.

Und noch zwei Artikel zum Thema:

“Guerilla von Staats wegen”, Süddeutsche Zeitung vom 04.04.2009

“Das blutige Schwert der CIA”, Spiegel vom 19.11.1990

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