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Posts Tagged ‘Susanne Albrecht’

Mein ursprünglicher Plan war,  den Komplex Gladio- Geheimdienste-Oktoberfest-Attentat-RAF nach und nach abzuarbeiten, eins nach dem anderen, mit viel System. Doch aus gegebenem Anlass sag ich: Scheiß aufs System! Ich habe nämlich sehr den Eindruck, dass gerade der lange überfällige Perspektivwechsel eingeleitet wird: Das hat begonnen mit dem bemerkenswerten Schulterschluss von Stefan Aust mit Michael Buback in der Talkshow von Markus Lanz am vergangenen Mittwoch und wurde durch den Artikel “Es war ein System, kein Komplex” von Corinna Ponto, erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 23.Mai, noch weiter zugespitzt. Tatsächlich scheint sich langsam, unendlich langsam (18 Jahre! nach dem Erscheinen des “RAF-Phantoms”) der Gedanke durchzusetzen, dass man nicht über die RAF reden kann, ohne über Geheimdienste zu reden.

Hier ein paar Auszüge aus dem Artikel von Corinna Ponto:

Bei der Aufarbeitung der NS-Zeit war die Kernfrage über Jahrzehnte: Was wussten die Deutschen? Bei der  RAF-Aufarbeitung schien es irgendwie darum zu gehen: Was sollen die Deutschen nicht wissen?

Die Aktionen der RAF hatten System und dahinter stand ein System. Das ist und wäre der gültige Kern und Ausgangssatz. Das ist die Formel. Dieses System richtete den Angriff auf das System des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates mit dem Mittel der Vernichtung einzelner ausgesuchter Vertreter dieses Systems. Und das System, das dahinter stand, waren Finanziers und Vertreter und Auftraggeber, deren lange Arme wir exakt, auch nach nun bald vierzig Jahren, noch nicht kennen.

Ich befinde mich in einem düsteren , unheimlichen Geflecht, welches eindeutig durchwoben ist von Kletterknoten einer Geheimdienstgeschichte, bei der mir angst und bange wird. Und übel.

Es ist eben nicht nur, wie bisher so oft beschrieben, ein reiner Generationenroman, es ist mindestens gleichwertig auch ein Geheimdienstroman.

Politisch gesehen gab es in dieser Zeit zwei Machtblöcke (den kommunistischen Osten und den atlantisch verbündeten Westen), deren Verhältnis zueinander bestimmt war von einem Macht- und Wirtschaftskrieg der gesellschaftlichen Systeme, flankiert vom unterschwelligen Kampf der verschiedenen politischen Geheimdienste.  Im Grunde beginnt hier die Zeitrechnung der asymmetrischen Kriegsform.

Es handelt sich nicht um einen deutschen Baader-Meinhof-Komplex. Es handelt sich um ein System, um einen international vernetzten Ost-West-Komplex, mit professionell geschulten und fachmännisch eingesetzten Doppelgesichtern.

Corinna Ponto ist die Tochter Jürgen Pontos. Im Frühjahr 2011 wird sie gemeinsam mit Julia Albrecht, der Schwester von Susanne Albrecht, im Verlag Kiepenheuer und Witsch ein Buch veröffentlichen. Darauf darf man gespannt sein.

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